Krankmeldung richtig einreichen: Fristen, Regeln und Tipps 2026
16. Februar 2026
Krankmeldung 2026: Was hat sich geändert?
Die Krankmeldung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Seit dem 1. Januar 2023 ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) für alle gesetzlich Versicherten verpflichtend. Der klassische gelbe Schein gehört damit der Vergangenheit an. Doch auch 2026 gibt es wichtige Regeln und Fristen, die Arbeitnehmer kennen müssen, um rechtliche Probleme und Gehaltseinbußen zu vermeiden.
Dieser umfassende Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie sich 2026 korrekt krankmelden, welche Fristen gelten und was bei Verstößen droht.
Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
So funktioniert die eAU
Die eAU hat den bisherigen dreifachen Durchschlag des gelben Scheins ersetzt. Der Ablauf ist 2026 wie folgt:
1. Arztbesuch: Sie gehen zum Arzt und erhalten eine Diagnose 2. Digitale Übermittlung: Der Arzt übermittelt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung elektronisch an Ihre Krankenkasse 3. Abruf durch den Arbeitgeber: Ihr Arbeitgeber ruft die eAU elektronisch bei der Krankenkasse ab 4. Patientenausdruck: Sie erhalten vom Arzt einen Ausdruck für Ihre eigenen Unterlagen
Was bedeutet das für Sie als Arbeitnehmer?
Obwohl der Arbeitgeber die eAU digital abrufen kann, bleiben Sie als Arbeitnehmer in der Pflicht:
Wichtig: Privatversicherte sind von der eAU ausgenommen und müssen weiterhin eine Papierbescheinigung vorlegen.
Fristen bei der Krankmeldung: Die 3-Tage-Regel
Die gesetzliche Regelung
Nach § 5 Abs. 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) gelten folgende Fristen:
Die Sonderregelung im Arbeitsvertrag
Viele Arbeitgeber haben im Arbeitsvertrag oder in Betriebsvereinbarungen strengere Regelungen festgelegt:
Tipp: Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag genau, um die für Sie geltende Frist zu kennen. Bei Unsicherheiten hilft ein Blick in den geltenden Tarifvertrag oder die Betriebsvereinbarung.
Fristberechnung: Kalender- oder Arbeitstage?
Die 3-Tage-Frist bezieht sich auf Kalendertage, nicht auf Arbeitstage. Das bedeutet:
Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber
Unverzügliche Krankmeldung
Die Anzeigepflicht verlangt, dass Sie Ihren Arbeitgeber so früh wie möglich informieren. Idealerweise geschieht dies:
Was Sie dem Arbeitgeber mitteilen müssen
Sie sind verpflichtet, folgende Informationen zu geben:
Nicht verpflichtet sind Sie zur Angabe:
Folge-Krankmeldung bei längerer Krankheit
Wenn Ihre Krankheit länger dauert als ursprünglich bescheinigt, müssen Sie:
Pflichten gegenüber der Krankenkasse
Meldepflicht bei der Krankenkasse
Neben dem Arbeitgeber haben Sie auch Pflichten gegenüber Ihrer gesetzlichen Krankenkasse:
Fristen bei der Krankenkasse
Entgeltfortzahlung und Krankengeld: Was passiert nach 6 Wochen?
Die ersten 6 Wochen: Entgeltfortzahlung
In den ersten sechs Wochen (42 Kalendertage) einer Krankheit zahlt Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiter. Dies gilt:
Nach 6 Wochen: Krankengeld von der Krankenkasse
Ab der siebten Woche übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Zahlung in Form von Krankengeld:
Berechnung des Krankengelds
Das Krankengeld wird wie folgt berechnet:
1. Regelentgelt ermitteln: Ihr durchschnittliches Bruttogehalt der letzten drei Monate 2. 70 Prozent des Bruttogehalts berechnen 3. Prüfen, ob dieser Betrag 90 Prozent des Nettogehalts übersteigt (dann gilt die niedrigere Grenze) 4. Sozialversicherungsbeiträge abziehen (Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung)
Beispielrechnung: Bei einem Bruttogehalt von 3.500 Euro erhalten Sie etwa 2.450 Euro brutto Krankengeld (70 %), wovon noch Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Netto erhalten Sie dann ungefähr 2.150 Euro.
Nutzen Sie den Gehaltsrechner auf PayStat.de, um Ihre Netto-Bezüge genau zu berechnen.
Rechte während der Krankheit
Kündigungsschutz
Viele Arbeitnehmer fürchten, während einer Krankheit gekündigt zu werden. Hier die Fakten:
Urlaub und Krankheit
Nebentätigkeiten und Verhalten während der Krankheit
Sonderfälle bei der Krankmeldung
Krankmeldung bei Kindern
Wenn Ihr Kind krank wird und Sie es pflegen müssen:
Krankmeldung während der Probezeit
Krankmeldung im Ausland
Wenn Sie im Urlaub im Ausland erkranken:
Häufige Fehler bei der Krankmeldung
1. Verspätete Meldung beim Arbeitgeber
Der häufigste Fehler: Den Arbeitgeber nicht rechtzeitig informieren. Melden Sie sich immer vor Arbeitsbeginn oder so früh wie möglich.
Konsequenz: Eine verspätete Meldung kann eine Abmahnung nach sich ziehen und im Wiederholungsfall sogar zur Kündigung führen.
2. Keine lückenlose Folgebescheinigung
Bei längerer Krankheit vergessen viele, die Folge-AU rechtzeitig ausstellen zu lassen. Es darf kein Tag ohne gültige Bescheinigung sein.
Konsequenz: Lücken können dazu führen, dass die Krankenkasse das Krankengeld einstellt oder dass der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigert.
3. Falsches Verhalten während der Krankheit
Aktivitäten, die der Genesung widersprechen, können problematisch werden:
Konsequenz: Der Arbeitgeber kann eine Abmahnung oder sogar eine fristlose Kündigung aussprechen.
4. Arztbesuch am falschen Tag
Manche Arbeitnehmer warten zu lange mit dem Arztbesuch und versäumen die Frist für die Bescheinigung.
Tipp: Gehen Sie im Zweifelsfall am ersten Krankheitstag zum Arzt, auch wenn Ihr Arbeitsvertrag erst ab dem dritten Tag eine Bescheinigung verlangt.
5. Krankenkasse nicht informieren
Besonders bei längerer Krankheit vergessen Arbeitnehmer, ihre Krankenkasse über die fortbestehende Arbeitsunfähigkeit zu informieren.
Konsequenz: Der Anspruch auf Krankengeld kann ruhen – Sie erhalten dann vorübergehend kein Geld.
6. Keine Dokumentation
Viele Arbeitnehmer dokumentieren ihre Krankmeldungen nicht sorgfältig:
Tipp: Bewahren Sie alle Unterlagen mindestens drei Jahre auf.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Korrekt krankmelden in 2026
Schritt 1: Arbeitgeber sofort informieren
Schritt 2: Arzt aufsuchen
Schritt 3: Folgebescheinigung bei längerer Krankheit
Schritt 4: Krankenkasse informieren (bei Krankheit über 6 Wochen)
Schritt 5: Genesungsfördernd verhalten
Checkliste: Krankmeldung 2026
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, warum ich krank bin?
Nein. Sie sind nicht verpflichtet, die Art Ihrer Erkrankung mitzuteilen. Sie müssen lediglich die Tatsache der Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer mitteilen.
Darf mein Arbeitgeber mich während der Krankheit kontaktieren?
Ja, allerdings nur in dringenden betrieblichen Angelegenheiten. Regelmäßige Kontrollanrufe sind nicht zulässig, es sei denn, es besteht ein begründeter Verdacht auf Missbrauch.
Was passiert, wenn ich mich nicht rechtzeitig krankmelde?
Eine verspätete Krankmeldung kann zur Abmahnung führen. Im Wiederholungsfall kann sie sogar eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen. Die Entgeltfortzahlung kann verweigert werden, bis die Bescheinigung vorliegt.
Kann ich während der Krankschreibung gekündigt werden?
Ja, eine Kündigung während der Krankheit ist möglich. Es gibt in Deutschland keinen absoluten Kündigungsschutz wegen Krankheit. Allerdings müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere bei einer krankheitsbedingten Kündigung.
Wie wirkt sich häufige Krankheit auf mein Arbeitsverhältnis aus?
Häufige Kurzerkrankungen (mehr als 30 Tage pro Jahr über drei Jahre) können eine personenbedingte Kündigung rechtfertigen, wenn eine negative Gesundheitsprognose besteht und die Fehlzeiten zu erheblichen betrieblichen Störungen führen.
Was ändert sich 2026 bei der Krankmeldung?
Die wesentlichen Änderungen 2026 betreffen vor allem die verbesserte digitale Infrastruktur der eAU. Die Abrufquote durch Arbeitgeber liegt mittlerweile bei über 95 Prozent. Zudem werden die Schnittstellen zwischen Arztpraxen, Krankenkassen und Arbeitgebern weiter optimiert.
Fazit: Krankmeldung richtig einreichen
Eine korrekte Krankmeldung schützt Sie vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen und sichert Ihren Anspruch auf Entgeltfortzahlung und Krankengeld. Die wichtigsten Regeln 2026 im Überblick:
1. Sofort melden: Arbeitgeber am ersten Krankheitstag informieren 2. Frist beachten: Ärztliche Bescheinigung spätestens am vierten Tag (oder gemäß Arbeitsvertrag) 3. eAU nutzen: Die elektronische AU-Bescheinigung wird automatisch übermittelt 4. Lückenlos bleiben: Folgebescheinigungen rechtzeitig besorgen 5. Krankenkasse informieren: Besonders wichtig ab der siebten Woche 6. Genesungsfördernd verhalten: Keine Aktivitäten, die der Heilung schaden 7. Dokumentieren: Alle Unterlagen sorgfältig aufbewahren
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